WHITE-Special

WHITE ist ein Label aus Berlin, das für einen ruhigen und rawen Housesound steht, und zu dem Gesichter wie Edward, Tristen, Martin Zadak und Oskar Offermann gehören. Letzterer ist neben seinen Tätigkeiten als DJ und Produzent auch noch der Kopf des Labels und hat in letzter Zeit einige Platten zusammen mit dem Künstler Moomin, der eigentlich Sebastian heißt und in Berlin wohnt, produziert. Beide spielten bei der 1. Schmidtcastparty in Leipzig am 5. März. Wir haben uns vorher mit den beiden in einer traditionellen sächsischen Kneipe getroffen, Kamillentee getrunken, Leberkäse und Gulasch gegessen und ein bisschen über Musik und WHITE geredet. Was dabei herauskam könnt ihr in dem Interview lesen, was Stanley Schmidt mit den beiden geführt hat.
Außerdem hat Oskar Offermann exklusiv für den Schmidtcast ein einstündiges Set aufgenommen, was seinem musikalischen Facettenreichtum rund um Housemusic außerordentlich wirklich gerecht wird…
Mehr zum WHITE Label und den beiden Künstlern Oskar und Moomin könnt ihr auf der Homepage des WHITE-Labels erfahren…

Schmidtcast WHITE Special – Oskar Offermann by schmidtschmidt

Interview…

Stanley (S): Hallo Sebastian, Hallo Oskar! Ihr beiden und das Whitelabel seit ja schon ein wichtiger Bestandteil der Houseszene in Deutschland, was war denn eure erste Begegnung mit Housemusic und wie seit ihr denn zu diesem rawen Sound gekommen, den ihr jetzt auflegt und produziert?
Oskar (O): Also bei mir war es in erster Linie begründet durch den Umzug nach Berlin, ich bin damals halt dann Raven gegangen, so wie das halt ist, und bin dann sehr schnell in der alten Panoramabar gelandet. Ich weiß noch, wie mein Nachbar ankam und meinte „Ey du musst unbedingt in die Panoramabar zu diesen „Get Perlonized“ Nächten!“ Und da bin ich hingegangen und hab eigentlich so meine erste House-Sozialisiserung mitgenommen, in einem eher ein minimalereren Kontext, und später hab ich dann angefangen, beim Sonar-Kollektiv zu arbeiten, und hab da dann so ein bisschen die Deep-House-Schiene von Dixon mitbekommen, der hat damals Recreation gemacht, das war so ein erster Labelversuch von ihm.
Moomin (M): Ja, bei mir weiß ich gar nicht so recht, wie das zu Stande kam, aber an für sich mochte ich schon immer viel Musik, ich hab früher sehr viel Hip Hop gehört, daher kenn ich ja auch den Oskar, hab damals viel aus dem Radio aufgenommen und da hab ich auch so Ministry of Sound Sachen aufgenommen, das hat mich aber nicht wesentlich interessiert, das war diese Frenchhouse-Zeit, Ende der 90er, aber damals ging das halt nicht zusammen, Hip Hop und Techno, das vertrug sich einfach nicht. Irgendwie hat sich dann das ganze Erscheinungsbild von Hip Hop geändert, ich konnt mich damit dann nicht mehr so richtig identifizieren, weil das alles so chickie-gangster-mäßig wurde, und damit war das nichts mehr für mich. Ich bin dann aber darauf gekommen, dass ich Funkstörung, Aphex Twin und solche Sachen gehört hab und bin dann von diesen ganzen experimentellen Sachen dann zu Techno, Minimal und House gekommen. Das ist eigentlich so mein Weg, der sich über die ganzen Jahre erstreckt hat.
S: Und wie kam es dann dazu, dass ihr euch getroffen habt und angefangen habt, gemeinsam Musik zu machen?
O: Das geht eigentlich auf einen gemeinsamen Freund aus Frankfurt zurück, ich komm ja gebürtig aus Frankfurt, Basti kommt gebürtig aus Kiel und wir waren beide also befreundet mit diesem Freund aus Frankfurt. Wir haben uns dann damals das erste mal auf den Hip Hop Tagen getroffen, dann hatten wir ein paar Jahre keinen Kontakt und irgendwie war ich dann in Berlin und hab schon so ein paar Labelsachen gemacht, und dann…
M: (unterbricht Oskar) Ich weiß das noch genau, wir hatten durch die Jahre nämlich doch noch ein bisschen Kontakt, wir haben auch immer mal zusammen Musik gemacht, als Oskar noch in Friedrichshain gewohnt hat. Irgendwann haben wir dann diesen Schwuggie-Track zusammen gemacht, der war eigentlich gar nicht so scheiße! (lacht) Und damals gabs nämlich auch noch nicht White, sondern da hast du (Oskar) immer Veranstaltungen im Klick-Klack Club gemacht… Und so kam das eigentlich alles zu Stande.
S: Wie läuft es nun eigentlich ab, wenn ihr zusammen produziert, seit ihr dann wirklich zusammen im Studio oder ist es dann eher so, dass ihr euch Samples hin und her schickt oder wie läuft das ab?
O: Es ist ehrlich gesagt so, dass wir jetzt längere Zeit nicht mehr so richtig mit einander produziert haben, bis auf eine kleinere Geschichte, aber eigentlich sitzen wir immer zu zweit im Studio, da wir das nun aber eine ganze Weile schon nicht mehr gemacht haben, wollten wir mal versuchen, so zu arbeiten, dass wir uns Samples hin- und herschicken. Allerdings sind alle Tracks, die schon rausgekommen sind wirklich so entstanden, dass wir zusammen im Studio saßen. Es hat sich aber seit dem auch viel verändert. Damals war es so, dass ich eigentlich meistens die Mouse in der Hand hatte und Sebastian eher daneben saß, das hat sich jetzt beim letzten mal ein bisschen aufgelockert, weil Basti jetzt auch selber mehr produziert und an einigen Stellen wahrscheinlich mehr Ahnung hat oder Kniffe und Cheats kennt… Man lernt ja da ganz viel voneinander.
M: Auf jeden Fall muss man sagen, dass es immer lange Tage und Nächte waren, in denen wir uns getroffen haben und zusammen produziert haben. Die ersten Tracks, die wir zusammen gemacht haben sind alle immer innerhalb von 2 oder 3 Tagen entstanden, an denen ich dann bei O. geschlafen habe und in denen wir dann wirklich von Morgens bis Abends im Studio saßen, gebufft haben und die Dinger durchproduziert haben! (lacht)
S: Das heißt auch, ihr produziert mehr oder weniger nur noch am Rechner und nicht an analogen Geräten?
O: Eine wirklich interessante Frage, weil wir da eine komische Entwicklung hinter uns haben. Ich hab früher eigentlich nur mit dem MPC produziert und „Apple Crumble“ war dann erste, was ich komplett mit Ableton produziert hab. Unsere Sachen sind auch alle mit Ableton entstanden, weil es so ist, dass wir beide wirklich viele Samples haben und mit Ableton die Möglichkeit haben unheimlich flexibel darauf zuzugreifen. Momentan ist es aber so, dass wir beide einen Schritt zurück gemacht haben, das heißt ich hab meine analogen Geräte alle noch mal rausgeholt und arbeite sehr viel an Ihnen, genau wie Sebastian…
M: Meine Anfangsidee war eigentlich, komplett auf den Computer und Ableton zu verzichten, allerdings hat das nicht ganz funktioniert, weil es mit den Maschinen wirklich unheimlich kompliziert ist und das Arrangement Tage dauern würde. Nichtsdestotrotz hab ich selber viele Maschinen und arbeite gern auch mit Ihnen, was zwar viel Zeit in Anspruch nimmt, aber am Ende wirklich geil klingt. Aber grade dadurch, dass ich auch viel aus Funk und Jazz sample ist es einfach nicht möglich, komplett auf Ableton zu verzichten…

S: Alles klar… Ein anderes Thema: Oskar, du bist ja nicht nur Labelchef und Musiker sondern zumindest diesen Monat noch Student. Wie hat es denn dein Alltagsleben und alles was nichts mit WHITE zu tun hat beeinflusst, Labelchef zu sein?
O: Das war wirklich teilweise sehr schwierig. Ein Label zu machen kostet unheimlich viel Zeit, Aufmerksamkeit und auch sehr sehr viel Muse. Da war das Studium nebenbei wirklich eine Last, ich hab dann meistens Phasenweise eher das eine oder das Andere gemacht. Ich hab dann jedes Jahr aufs neue einen neuen Ansatz dann ausprobiert, mit verschiedenen Zeitplänen und Vorsätzen, aber trotzdem hat es grade, weil ich ja auch selber noch Musik mache, nur sehr schwer nebeneinander existieren können… Momentan läuft alles aber um einiges einfacher, weil ich mein Studium fertig habe und auch was das Label angeht um einiges entspannter bin als früher noch, ich einfach genug Erfahrung hab und weiß, wie die Prozesse ablaufen… Das ist auch ganz gut, weil ich grad noch ein Album produziere und eigentlich von Morgens bis Abends im Studio sitze und versuche, die Labelsachen gar nicht so sehr an mich ranzulassen…
S: Sebastian, ist Oskar ein guter Labelchef?
(beide lachen)
M: Gute Frage! Es ist grad ein bisschen ein schwieriger Zeitpunkt aber ich sage mal Ja, natürlich.
O: (lacht) Ich kann auch rausgehen, dann kannst du ehrlich antworten!
(beide lachen)
M: Also im Ernst. Ich hab ja außer mit WHITE nicht viele Labelerfahrungen, aber ich weiß, worauf es für mich ankommt und das ist, dass es nicht anonym abläuft und dass die Freundschaft da ist und das ist der Fall, deswegen sag ich „Ja“. Manche Sachen könnten natürlich auch besser laufen, manche könnten schlechter laufen, aber das ist ja überall so…
S: Was da ein bisschen anklingt ist ja, dass das WHITE Label wirklich eine Familie, ein Freundeskreis ist, gibt es denn trotzdem eine Ebene, auf der man sich „rein geschäftlich“ zu einander verhält?
O: Das ist ziemlich schwierig. Anfangs hatten wir noch so Sachen wie Verträge, aber so was kostet unheimlich viel Zeit und zum anderen finde ich das unnötig, wenn man wirklich mit Freunden zusammenarbeitet, deswegen will ich das auch nicht. Was ich will ist eine Vertrauensebene, auf der wir das Label machen können, da ist halt klar, dass das nur mit Freunden funktioniert. Dieses Konzept hat sich für uns auch bewährt, wir haben zwar auch einige Fremd-Signings gehabt, aber nur weil unsere Leute vielleicht einfach noch nicht so weit waren. Die Leute, mit denen wir musikalisch zusammenarbeiten sind auch über die Jahre hinweg alle unheimlich professionell geworden und sind auch alle musikalisch sehr gewachsen, weswegen ich momentan der Meinung bin, dass wir uns auf den harten Kern des Labels konzentrieren sollten und nicht ständig irgendwelche Leute, die nicht zur „Family“ gehören, signen sollten…
S: Wie geht es eigentlich weiter mit deinem zweiten Label Rimini?
O: Rimini ist das Disco-Edits Label von mir und das funktioniert anders als WHITE, weil es eben ganz anonym abläuft. Es werden bald auch zwei Sachen auf Rimini herauskommen, eine Platte von mir und eine von Era, beide wahrscheinlich noch dieses Jahr… Dadurch, dass ich bei Rimini wirklich alles, wie Vertrieb etc., selber mache, wollte ich es auch vermeiden, dass es so einen permanenten Release-Fluss gibt, also zum Beispiel alle 5 Monate eine Platte. Ich mach es dann eher so, wie ich Bock hab und wie es mir vor allem auch zeitlich passt…
S: Ok, dann vielen Dank fürs Interview, ich freu mich auf heut Abend!


2 Antworten auf „WHITE-Special“


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  2. 2 WHITE Spezial Part II – Edward « Schmidtcast – Time to listen is right now. Pingback am 19. Juli 2012 um 15:19 Uhr
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